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Eröffnet: Ausstellung „Leerstellen“ im Ahrtal

Eine neue Ausstellung im Journalistenzentrum Herne: Fotodokumentation der Folgen für Nachbarschaften im Ahrtal von Carmen Molitor

Schutt, Schmutz und Müll: Drei von 20 Einblicken in die Leerstellen in gewachsenen Nachbarschaften im Ahrtal bei der Eröffnung der Ausstellung in der Flurgalerie des JZH. Foto: whi


Leerstellen in Nachbarschaften
Die hoch aktuelle Fotodokumentation „Leerstellen” über die Folgen der Flutkatastrophe im Ahrtal in Journalistenzentrum Herne ist eröffnet. Bis ins Frühjahr 2022 dokumentieren die zum Teil großformatigen Bilder in der Flurgalerie, was die Journalistenkollegin Carmen Molitor aus Köln bei ihren Besuchen im Ahrtal fotografisch festgehalten hat. Zentrales Thema sind in ihrer Fotodokumentation die Leersellen, die in den Nachbrschaften Bund Orten des Ahrtals durch die Flutkatastrophe entstanden sind. Bei der Eröffnung am Dienstag, 14. Dezember 2021 erläuterte die Journalistin den Besucherinnen der neuen Schau, warum sie bewusst kaum Bewohner:innen auf ihren Fotos zeige.

Die 20 Bilder der Ausstellung sind Molitors regelmäßigen Fahrten in die Katastrophenregion in den ersten drei Monaten nach der Flut entstanden. Sie wurden von Molitor, die im Kreis Ahrweiler aufgewachsen ist und heute in Köln lebt, mit dem dem journalistischen Universalhilfsmittel Smartphone gemacht. Molitor wollte damit die großen Verluste und ganz besondere Stimmung dokumentieren, die das Tal in dieser Zeit prägten. 

Wo Nachbarn fehlen
Im Journalistenzentrum Herne im Shamrockpark hängen nun Molitors Bilder, die oft menschenleer sind, die gerade durch ihre Bezogenheit allein auf Dinge zeigen, wo die Menschen fehlen. Oder was den Menschen fehlt. Bilder, die Lücken deutlich machen und erahnen lassen, was Gemeinschaft dafür notwendig ist und wie es aussieht, wenn all das plötzlich fehlt. Carmen Molitors journalistischer Blick hat neben dem Leid und der Not auch die Wunden gesehen, die die Flut nicht nur bei den Menschen, sondern in der Infrastruktur geschlagen hat.

Vorteil der Heimat
Die Besuche waren mehr für sie: Molitor ist im Kreis Ahrweiler aufgewachsen und hat dort zu Beginn ihres Berufslebens bei der „Rhein-Zeitung“ ein Tageszeitungsvolontariat gemacht. Nach einem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit in Ostjerusalem kehrte sie Ende 2020 nach Deutschland zurück und erlebte ein paar Monate später die Folgen der Katastrophe in ihrer Heimat hautnah mit.
Ihr Vorteil: Molitor weiß, was in dieser Region Gemeinschaft und Nachbarschaft ausmachen. Davon erzählen diese 20 Bilder in der Ausstellung. Und es war interessant zu erleben, wie bei der Ausstellungseröffnung Besucher:innen im Gespräch auf den Bildern erkennbare Nachbarschaftsbräuche aus der Ahr-Region auslasen und mit tradierten Bräuchen aus Herne verglichen.

Walporzheim. Ahruferstraße. Gedenken an einen während der Flut Verstorbenen. Foto: Carmen Molitor



Aufforderung zum Reden
Molitor hat dort Fotos gemacht, wo die Foto-Kolleg:innen der großen Agenturen nicht waren. Ihre Fotos sind dabei keine Schnappschüsse, vielmehr wohlüberlegte Momentaufnahmen einer menschlichen Krisensituation. Carmen Molitors Bilder bringen Journalist:innen miteinander in den Dialog, sie fordern heraus zu Gesprächen über Reportagen und journalistische Techniken, über die Herausforderungen durch Krisen und den journalistischen Umgang damit. Denn im Gegensatz zur Einheimischen Molitor dringen Journalist:innen oft berufsbedingt als Fremde nach Katastrophen in verletzte Gemeinschaften und Nachbarschaften ein. Der sensible Umgang mit einer solchen Situation lässt sich anhand der Leerstellen-Bilder von Molitor lernen.

 Kursteilnehmer der journalistischen Aus- und Weiterbildung werden sich intensiv mit der Flut-Katastrophe und der journalistischen Rezeption auseinandersetzen. Zugleich soll der bei der Eröffnung gestartete Dialog mit Bürgern und Nachbarschaftsgruppen aus Herne fortgesetzt werden, was Gemeinschaft und was Nachbarschaft in Zeiten von Herausforderungen ausmacht.

Carmen Molitor in der Flurgalerie des Journalistenzentrums Herne mit ihren „Leerstellen“-Fotos aus dem Ahrtal.
Foto: Petra Walcher

Einladung
Weitere Führungen und Diskussionsrunden zur Fotodokumentation „Leerstellen“ von Carmen Molitor finden nach dem 17. Januar 2022 statt. Im Journalistenzentrum-Herne gibt es in der Flurgalerie wechselnde Fotoausstellungen, die allen Interessierten offen stehen. Die Ausstellung „Leerstellen” wird über die Stadt Herne gefördert. Für Führungen und Gesprächsabende müssen sich wegen der Corona-Lage interessierte Bürger und Nachbarschaftsgruppen vorher anmelden, Tel. 02323 227530 oder info@journalistenzentrum-herne.de. Es gelten die 2Gplus-Regeln.

Smartphone-Selfie der Kölner Journalistin Carmen Molitor bei einem ihrer Heimatbesuche im Ahrtal.



Und wer eine nachbarschaftliche Hilfsaktion im Ahrtal unterstützen möchte, dem legt Carmen Molitor eine private Versorgungsstation am Schwimmbad in Ahrweiler ansHerz. Die Station entstand ausschließlich durch privates Engagement. Hier werden seit einigen Monaten Nachbarn aus dem Viertel, vor allem ältere Menschen, die von der Flut betroffen sind, von lokalen Ehrenamtlichen mit warmen Mahlzeiten aus gespendeten Lebensmitteln versorgt. Spendenkonto: HangAHR21, Mats Wirfs. IBAN: DE15 3705 0299 0073 61.