Lästern und st(r)icheln: Der Steiger und der Charly

Glosse und Karikatur – zusammen in einem Workshop. Die beiden Referenten Martin Kaysh und Karlheinz Stannies wollen es am 2. und 3. März 2021 bei uns im Journalistenzentrum Herne wissen. Kaysh ist Autor, Kabarettist und der Steiger der kultigen Revier-Narretei „Geierabend“. Charly Stannies st(r)ichelt als Karikaturist und Glossen-Schreiber gerne gegen den Strich. Glosse und Karikatur sind die journalistischen Spielarten mit den größten Freiheiten. Mit unglaublichen kreativen Möglichkeiten. Wer also seine Ausdrucksskala vergrößern oder noch verfeinern will, wer es leid ist, die Leser:innen und Hörer:innen immer nur staubtrocken zu bedienen, sollte sich diese beiden Werkstatt-Tage nicht entgehen lassen.

Denn Karikatur ist Journalismus, das steht fest. Deshalb sind die Zielgruppe für die Werkstatt nicht nur Redakteure und Freie Journalisten sondern auch Interessierte an den journalistischen Darstellungsformen Glosse und Karikatur. Manche Zeichnungen bringen komplizierte politische Entscheidungen deutlicher und verständlicher auf den Punkt als lange Leitartikel. Zeichnen kann eigentlich jede(r), sagt der Charly, „es kommt ohnehin mehr auf die Idee an.“

In der Werkstatt mit Martin Kaysh und Charly Stannies werden wir nicht nur aktuelle Karikatur-Beispiele diskutieren, um die Gedankengänge und Stilmittel des Zeichners zu verstehen. Wir werden – das ist das Ziel, und Themen werden uns schon einfallen – auch eigene Strichzeichnungen machen. Natürlich nicht, ohne vorher ein paar praktische Grundlagen zu erarbeiten. Punkt, Punkt, Komma, Strich – gut und schön, aber wie kriegt man ein Grinsen ins Gesicht? Darf ich Riesenzinken und Segelohren übertreiben? Wie viele Finger braucht die Hand? Was muss ich bei Körperhaltungen und überhaupt beim Bildaufbau beachten? 

Glossen sind im journalistischen Alltag keine Strafarbeit, die man mal eben nebenbei erledigt. Sie sind so etwas wie die Königsdisziplin, sagen beide Dozenten: „Hier kann sich Kreativität austoben, darf nahezu alles passieren. Gute Glossen hinterlassen ein Lächeln, auch wenn es vielleicht grimmig ist, und setzen im Hirn neue Denkprozesse in Gang.“ 

Für die Denkprozesse zuständig sin der Werkstatt neben den Teilnehmerinnen auch die beiden Dozent:innen. als da wäre Martin Kaysh, der  schon mit zwölf Jahren für den WDR Kinderfunk aktiv war. Seitdem arbeitet(e) er als Autor quer durch alle Wellen für den Hörfunk. Er schrieb als Freier für WAZ, taz und Süddeutsche. In den 1990ern startete er beim WDR seine Laufbahn als Satiriker, war sieben Jahre Glossen-Macher für das ARD-Magazin Monitor. Er schreibt Satirisches für ein Straßenmagazin und den Vorwärts, bloggte bei den Ruhrbaronen und macht heute mit Correctiv-Mastermind Schraven den Ruhr-Podcast „Wir und heute“. Hauptberuflich leitet er als „Steiger“ den satirisch-schrillen „Geierabend“, die westfälische Antwort auf die Stunksitzung.

Der Charly ist Karlheinz Stannies, Zeitungsjournalist und Langzeit-Betriebsrat, für viele im  Deutschen Journalisten-Verband (DJV) nur „der Charly“. Er versucht, seine autodidaktischen St(r)icheleien (die laut Stannies meist nur der DJV zu drucken wagt) zu verbessern. Er war zunächst Lokalredakteur und Lokalchef in Marl und dann über drei Jahrzehnte für die Bild-Regionalausgabe Ruhr verantwortlich für „Kommunales und Wirtschaft“ im Revier. Fast von Anfang an war er Betriebsratsvorsitzender und im Gesamtbetriebsrat Springer.

Über den Ablauf der Werkstatt gibt es trotz der Vorbereitungen für den Geierabend schon klare Vorstellungen beim Steiger undCharly. „Wir werden sicher einige Beispiele studieren: Was war gut, was schlecht? Und dabei zunächst die Basis diskutieren: Form, Aufbau, Stil und Timing von Pointen – wie schreibt man eigentlich eine Glosse? Und wie erzeugt man Humor und Satire? Gibt es Tabus und Grenzen des Humors? So gerüstet schreiben wir eigene Glossen und besprechen diese.“

Super wäre für die beiden Dozenten, wenn am Ende des Workshops die Teilnehmer:innen einige gelungene Glossen und thematisch dazu passende Karikaturen präsentieren könnten. Für beides, Karikatur und Glosse, braucht man Themen – und dann Ideen, die möglichst noch nicht so viele hatten. Wie man sie durch Nach- und Querdenken finden kann, erklären der Steiger und Charly an diesen zwei Tagen. Soviel sei verraten: Man muss sich auskennen, das Leben beobachten, manches nicht zu ernst nehmen. Und ein wenig Spaß am Zeichnen und Fabulieren mitbringen.

Die Plätze in der Glosse-Kariakatur-Werkstatt mit dem Steiger und Charly sind begrenzt. Anmeldungen für die Weiterbildung sind jetzt rund um die Uhr möglich in unserem Buchungsportal.

Der Charly beim St(r)icheln.

Karikatur: Karlheinz Stannies

Glosse: Martin Kaysh